Drei Kilometer

Drei Kilometer waren nicht weit, und wir hatten nicht darauf geachtet, wie lange Hans weg war. Durchs Maisfeld flohen viele, aber kaum einer war so dumm und lief betrunken in die Dunkelheit. Er würde es nicht schaffen, das wusste ich. Ohne es wirklich zu wollen, schaffte man es nicht.

Rumänien 1989: Die Hitze ist drückend, das Getreide steht hoch, sonst würde man bis zur Grenze sehen können. Der Gedanke an Flucht liegt verlockend und quälend nahe, noch weiß niemand, was kommt und was in ein paar Monaten Geschichte sein wird. In einem Dorf im Banat, weit weg von Bukarest, dem Machtzentrum des Ceaușescu-Regimes, erlebt Anna einen Spätsommer von dramatischer und doch stiller Intensität. Sie ist hin- und hergerissen, nicht zuletzt zwischen Hans, ihrem Geliebten, und Misch, dem gemeinsamen Freund. Bei wem will sie bleiben? Mit wem will sie gehen? Und ist Hans tatsächlich ein Spitzel, wie Misch vermutet? Mit diesen Fragen bewegt sich Anna plötzlich gefährlich nahe an der Grenze zwischen Treue und Verrat.
Atmosphärisch dicht und schnörkellos erzählt Nadine Schneider von den persönlichen Verstrickungen in einer Zeit vor dem politischen Umsturz. Und davon, was es braucht, um zu bleiben – oder was es bedeutet, sein Land zu verlassen, für sich und die, die man zurücklässt.


Roman ⋅ Jung und Jung Verlag ⋅ 2019


Website zum Verlag


160 Seiten, gebunden, auch als e-book erhältlich


Hermann Hesse Förderpreis ⋅ Literaturpreis der Stadt Fulda ⋅ Vera-Doppelfeld-Förderpreis ⋅ Bloggerpreis für Literatur „Das Debüt“


Pressestimmen

Alle Pressestimmen unter www.jungundjung.at

Bei diesem Debüt ist das große Weltenbeben oft nicht mehr als ein Hintergrundrauschen, vor dem sich dennoch existenzielle Konflikte abspielen und Liebe und Loyalität, Zugehörigkeit und Identität oder einfach nur das Ende der Jugend mit einer souveränen Lässigkeit geschildert werden. Nadine Schneiders Roman ist wie ein Lied, das man nicht oft genug hören kann. Und daher will ich für die Zukunft nicht ausschließen, „Drei Kilometer“ noch ein viertes, fünftes oder sechstes Mal zu lesen.
Jan Brandt in seiner Laudatio zum Literaturpreis der Stadt Fulda

Dieses Gefühl, dass es kein richtiges Leben im Falschen geben kann, prägt die Atmosphäre des gesamten Romans (…) Das Bestechende an „Drei Kilometer“ ist der Umstand, dass seine Autorin nichts versucht, was sie nicht auch beherrscht. Das ambitionierte Metapherngedröhne (…) fehlt bei Nadine Schneider ebenso wie staatstragende politische Eindeutigkeit. Schneiders Sprache ist durchsetzt und grundiert von poetisch aufgeladenen Beobachtungen und Beschreibungen, doch bleibt der Blick der Erzählerin stets auf die engen Verhältnisse fokussiert. Es zählt das, was gerade ist.
Christoph Schröder, ZEIT ONLINE

Der Einsatz der sprachlichen Mittel ist das Beeindruckende an diesem Text: ein unsentimentaler Ton, in den gerade so viel verhaltenes Gefühl gelegt wird, dass die erzählerische Distanz nie aufbricht. (…) Die in Berlin lebende Nadine Schneider versteht es, mit Nuancen umzugehen, und bei der Lektüre vergisst man, dass es sich um ein Debüt handelt – so dicht und klar und souverän ist diese Prosa.
Gerhard Zeillinger, DER STANDARD

Noch ist die Zeit für den Aufstand nicht gekommen, doch die Risse sind unübersehbar für das Auge der sensiblen Erzählerin. Wie die Hunde im Roman hat sie ein außerordentliches Gespür für die zwischenmenschlichen Beziehungen, für die Zeichen eines kommenden Umsturzes. (…) Ein Roman, der weniger Schockwellen auslöst als vielmehr ein Gefühl der Unausweichlichkeit.
Elmar Schenkel, FAZ

Mit genauem Blick auf einen Augenblick der Weltgeschichte und ihrer unaufgeregten Erzählstimme gelingt der Autorin ein literarisches Zeitdokument, aber auch eine glaubhafte Geschichte über die Verflechtung persönlicher und politischer Umbrüche.
Veronika Zwing, Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien

Stimmen aus den Literaturblogs

Alle Rezensionen unter www.jungundjung.at

Ein großartiges Debüt, ein eindringlicher Roman über das Eingesperrtsein und seine Folgen für die Seele.
Ruth Justen, Ruth liest

Nadine Schneider ist mit „Drei Kilometer“ ein leiser, trotz des eher traurigen Themas sehr leichter Roman gelungen. Sehr atmosphärisch und poetisch, dabei aber völlig unsentimental und in der Sprache eher lakonisch erzählt sie ihre Geschichte in kleinen Szenen. Ein wirklich souveränes, schönes Debüt.
Petra Reich, literaturreich.de

[Nadine Schneiders] Schilderungen der Natur und der Jahreszeiten, des Selbstverständlichen und des Besonderen verdichtet sie zu hoher Intensität. (…) Das liest sich packend, großartig, bewegend.
Jan Haag, con=libri

Schneiders Sprache ist so stark, bildreich und sinnlich, dass ich den Roman lese, wie ich einen Kinofilm sehe.
Marina Büttner, literaturleuchtet.wordpress.com