Drei Kilometer | Roman

„Drei Kilometer waren nicht weit, und wir hatten nicht darauf geachtet, wie lange Hans weg war. Durchs Maisfeld flohen viele, aber kaum einer war so dumm und lief betrunken in die Dunkelheit. Er würde es nicht schaffen, das wusste ich. Ohne es wirklich zu wollen, schaffte man es nicht.”

Inhalt

Rumänien 1989: Die Hitze ist drückend, das Getreide steht hoch, sonst würde man bis zur Grenze sehen können. Der Gedanke an Flucht liegt verlockend und quälend nahe, noch weiß niemand, was kommt und was in ein paar Monaten Geschichte sein wird. In einem Dorf im Banat, weit weg von Bukarest, dem Machtzentrum des Ceaușescu-Regimes, erlebt Anna einen Spätsommer von dramatischer und doch stiller Intensität. Sie ist hin- und hergerissen, nicht zuletzt zwischen Hans, ihrem Geliebten, und Misch, dem gemeinsamen Freund. Bei wem will sie bleiben? Mit wem will sie gehen? Und ist Hans tatsächlich ein Spitzel, wie Misch vermutet? Mit diesen Fragen bewegt sich Anna plötzlich gefährlich nahe an der Grenze zwischen Treue und Verrat.
Atmosphärisch dicht und schnörkellos erzählt Nadine Schneider von den persönlichen Verstrickungen in einer Zeit vor dem politischen Umsturz. Und davon, was es braucht, um zu bleiben – oder was es bedeutet, sein Land zu verlassen, für sich und die, die man zurücklässt.

Pressestimmen

„Dieses Gefühl, dass es kein richtiges Leben im Falschen geben kann, prägt die Atmosphäre des gesamten Romans (…) Das Bestechende an Drei Kilometer ist der Umstand, dass seine Autorin nichts versucht, was sie nicht auch beherrscht. Das ambitionierte Metapherngedröhne (…) fehlt bei Nadine Schneider ebenso wie staatstragende politische Eindeutigkeit. Schneiders Sprache ist durchsetzt und grundiert von poetisch aufgeladenen Beobachtungen und Beschreibungen, doch bleibt der Blick der Erzählerin stets auf die engen Verhältnisse fokussiert. Es zählt das, was gerade ist.”
– Christoph Schröder, Die Zeit, 10.11.2019

„Mit genauem Blick auf einen Augenblick der Weltgeschichte und ihrer unaufgeregten Erzählstimme gelingt der Autorin ein literarisches Zeitdokument, aber auch eine glaubhafte Geschichte über die Verflechtung persönlicher und politischer Umbrüche.”
Veronika Zwing, Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien, 10.11.2019

„Der Einsatz der sprachlichen Mittel ist das Beeindruckende an diesem Text: ein unsentimentaler Ton, in den gerade so viel verhaltenes Gefühl gelegt wird, dass die erzählerische Distanz nie aufbricht. (…) Die in Berlin lebende Nadine Schneider versteht es, mit Nuancen umzugehen, und bei der Lektüre vergisst man, dass es sich um ein Debüt handelt – so dicht und klar und souverän ist diese Prosa.”
– Gerhard Zeillinger, DER STANDARD, 09.11.2019

„Immer wieder findet Nadine Schneider unerwartete und höchst individuelle Sätze und Bilder, um diesen kleinen Lebenshorizont aus seiner scheinbaren Banalität zu heben und den Alltag zum Leuchten zu bringen. Langsamkeit und Beiläufigkeit machen dieses Erzählen stark. Dass die politischen Ereignisse (…) wie nebenbei hereinschauen in das private Leben, macht es möglich, dass man dabei nicht über Altbekanntes nickt, sondern diese Vorgänge unmittelbar erlebt. (…) Man wünscht sich weitere Romane von Nadine Schneider, die so genau erzählen kann und ganz ohne große Erklärungen auskommt.”
– Cornelius Hell, Die Presse, 12.10.2019

„Mit suggestiven und bedrängenden Bildern gelingt es Schneider, die Ungewissheit der äußeren Situation auf die innere Verfasstheit ihrer Figuren zu projizieren. (…) Die in Berlin lebende Autorin hat ein schmales, aber beeindruckendes Romandebüt vorgelegt, das gerade aufgrund der sprachlichen Lakonie und der Zurückgenommenheit der Figuren atmosphärisch eine Situation auferstehen lässt, die fernab und im Wirbel der deutschen Wende untergegangen ist.”
Ulrike Baureithel, der Freitag, Ausgabe 36/2019

„Nadine Schneider hält in ihrem Erstlingswerk durchgängig die Spannung. Der Fluss des Erzählens läuft gleichmäßig und schlüssig von Anfang bis Ende, ohne Brüche oder Kunstgriffe. Der Autorin ist mit „Drei Kilometer“ ein unspektakulärer und deshalb umso beachtlicherer Beginn einer Schriftstellerinnenkarriere gelungen, die man ihr ebenso wie dem Publikum wünscht.”
– Stefan May, Ö1. Ex libris, 01.09.2019

„Mit diesem Roman ist Nadine Schneider ein fesselndes Sittengemälde des rumäniendeutschen Dorfes in der Endzeit des Sozialismus gelungen.”
– Edith Ottschofski, Deutschlandfunk. Büchermarkt, 29.08.2019

Video

Weitere Informationen:
> Jung und Jung Verlag
> Jung und Jung: Herbst 2019